Der ERA Test bei IVF Behandlungen – wie, wann und warum?

Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut. Wann ist es angemessen? Wann wird es verwendet und ist es hilfreich?

Schauen Sie unsere 3on1 #IVFANSWERS an, um DREI Antworten auf EINE Frage von drei großartigen Experten zu bekommen. Heute haben wir folgende Frage für Sie: Der ERA Test bei IVF Behandlungen – wie, wann und warum? Unsere Experten werden ihnen sagen, wie der Eingriff gemacht wird, wann es angewendet werden sollte und wem es zu empfehlen ist. Und, ob es wirklich funktioniert.

  • Dr. Oksana Babula – Reproduktionsmedizinerin, Clinic EGV
  • Dr. Juan José Sánchez Rosas – Gynäkologe der sich auf reproduktive Medizin spezialisiert hat, URE Gutenberg Zentrum Reproduktionsabteilung
  • Dr. Alexandra Izquierdo – Medizinische Direktorin bei ProcreaTec
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Dr Oksana Babula, Clinic EGV, Lettland

Antworten von Dr Babula

ERA (Endometrial Receptivity Array) ist ein sehr einfacher Test. Normalerweise wird es bei Frauen gemacht, die mehrere erfolglose Embryoübertragungen hinter sich haben. Das Ziel des Tests ist den perfekten Moment der Einnistung zu bestimmen. Meistens wird es während des Stimulierungszyklus durchgeführt – an einem bestimmten Tag der Progesteronbehandlung machen wir eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut. Das entnommene Material schicken wir zum genetischen Test ein. Nach dem Ergebnis wissen wir, wann das perfekte Einnistungszeitfenster sein wird. Dieses Zeitfenster gilt für alle Embryoübertragungen, aber dieser Test wird meistens bei Spendereizell- oder Spenderembryozyklen durchgeführt.
Die heutige Forschung basiert auf den ERA Ergebnissen und besagt, dass ca. 25% aller Eizellspender- oder Spenderembryo-Patientinnen Probleme mit der Einnistung haben. Der Grund hierfür ist vielfältig – es beginnt mit Embryoqualität bis hin zu immunologischen Gründen. Wenn die Embryoqualität gut ist und der Transfer nicht mit Schwangerschaft endet, dann sollte man den ERA Test in Betracht ziehen.

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Dr Alexandra Izquierdo, ProcreaTec, Spanien

Antworten von Dr Izquierdo

Erfolgreiche Embryoeinnistung hängt von zwei Hauptfaktoren ab: Embryoüberlebensfähigkeit und gute endometrische Umgebung. Die kurze Zeit in der die Gebärmutter das Embryo aufnehmen kann, nennt man Einnistungszeitfenster. Es wird durch zwei Hormone bestimmt – Östrogen und Progesteron. Bei den meisten Frauen ist dieses aufnahmefähige Zeitfenster zwischen Tag 6 nach Ovulation und hält bis ca. 4 Tage danach an. Für manche Patientinnen verschiebt sich dieses Einnistungszeitfenster – das heisst soviel wie für manche ist es früher und andere etwas später.
Wenn man unfruchtbare Frauen behandelt, ist viel vom richtigen Zeitpunkt abhängig. Wenn sich das Embryo außerhalb von diesem Zeitfenster einnistet, könnte die Umgebung nicht bereit sein – ob das vor der Empfänglichkeit ist oder danach ist egal, denn wenn man Embryonen zum falschen Zeitpunkt überträgt, kommt es zum Einnistungsversagen.
Der endometrische Aufnahmefähigkeitstest (ERA) erlaubt uns dieses Zeitfenster der Einnistung akkurat für jede Patientin zu bestimmen. Es ist ein genetischer Test der mehrere spezifische Gene im endometrischen Material durch RNA Sequenz bestimmt. Um diesen Test durchzuführen, muss man eine endometrische Biopsie an einem bestimmtem Tag in der Lutealphase durchführen.
Diese Analyse bestimmt, ob das Endometrium aufnahmefähig oder nicht ist. Dank der Ergebnisse des Tests, können wir den Transfer für jede Patientin genau bestimmen.
Offensichtlich sieht es so aus, als ob dieser Eingriff ein garantierter Weg zur Einnistung ist. Jedoch besagt die heutige Forschung, dass dieser Eingriff nicht jeder Patientin hilft. Im Moment glauben wir, dass dieser Eingriff bei Patientinnen mit wiederholtem Einnistungsversagen trotz qualitativ guter Embryonen hilfreich sein kann. In diesem Rahmen ist das Risiko das Einnistungszeitfenster zu verpassen ist stark erhöht (bis zu 25% laut neusten Studien).
Außerdem gibt es neue genetische Tests für die Gebärmutterschleimhaut, die uns noch mehr Daten über die Gebärmutter geben – wie z. B. mikrobiologischer und immunologischer Status. Diese Untersuchungen könnten bald immer öfter bei Patientinnen genutzt werden.

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Dr Juan José Sánchez Rosas , URE Gutenberg Centre Reproduction UnitSpanien

 

Antworten von Dr Sánchez Rosas

Embryoeinnistung ist ein komplexer Ablauf, der an einem bestimmten Zeitpunkt im endometrischen Zyklus passiert. Nicht jede Frau hat das gleiche aufnahmefähige Zeitfenster, was aber sehr wichtig für den Erfolg der IVF Behandlung ist. Wenn wir IVF Misserfolge erleben, dann müssen wir den Grund hierfür herausfinden. Obwohl das Embryo meistens am Misserfolg schuld ist, da die Qualität dessen die Chance auf Schwangerschaft bestimmt, dürfen wir nicht vergessen, dass das Endometrium auch ein wichtiger Teil des Ablaufs ist. Wir müssen sicher sein, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt bereit ist. Wenn wir IVF Misserfolg erfahren obwohl wir qualitativ gute Embryonen genutzt haben oder wenn jemand Fehlgeburten oder biochemische Schwangerschaften hatte, dann müssen wir weiter untersuchen.
Der endometrische Aufnahmefähigkeitstest sagt uns, ob es ein Problem mit dem Zeitfenster gibt, was heißt, wir müssen den Transfer zeitlich etwas verschieben. Manche Patientinnen sind etwas früher oder später aufnahmefähig als wir denken. Wenn wir das wissen, dann ändern wir unser Protokoll.
Um den endometrischen Aufnahmefähigkeitstest zu machen, bereiten wir einen normalen Zyklus vor, aber anstatt das Embryo zu übertragen machen wir eine Biopsie in dem Moment, in dem wir normalerweise den Transfer machen würden. Durch genetische Analyse des entnommenen Materials können wir den exakten Zeitpunkt für den Transfer bestimmen.

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3on1 IVFanswers - three answers to one question

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