Was ist der Unterschied zwischen Gesamterfolgsquoten und Erfolgsquoten je Embryotransfer?

Wenn man IVF Statistiken versteht, kann man bessere Entscheidungen treffen.

Wenn man sich für Kinderwunschbehandlungen entscheiden soll, muss man viele Faktoren beachten und vergleichen. Es gibt einfache und leicht verständliche Faktoren und schwierige, die nicht so leicht zu verstehen sind wie z.B. Erfolgsquoten. Wie werden diese gemessen? Wie präsentieren Kliniken ihre Daten? Wie weiß man für was man sich entscheiden soll?

Bei 3on1 #IVFANSWERS erklären unsere Experten wie man Erfolgsquoten bei Kinderwunschbehandlungen am Besten versteht:

  • Dr Àlex García-Faura Wissenschaftlicher Direktor bei Institut Marquès
  • Dr Diana Obidnyak – Chefin für Internationale Zusammenarbeit bei AVA Peter Clinic
  • Dr. Miguel Ángel Checa – Arzt für Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktive Medizin bei Fertty International
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Dr Diana Obidnyak, AVA Peter Clinic, Russland

Antworten von Dr Obidnyak - Chefin für Internationale Zusammenarbeit

Was bedeutet Gesamtschwangerschaftsquote? Ca. 30% aller Patienten leiden auf Grund schlechter Erfolgschancen trotz Weiterbehandlung und finanziellen Ausgaben an emotionalem und körperlichem Burn-out.
Um die Chancen eines erfolgreichen Ergebnis besser beschreiben zu können, wurde der Ausdruck „Gesamtlebendgeburtsrate“ eingeführt. Dieser Begriff „gesamt“ kommt vom lateinischen Wort „cumulare“ (das Anhäufen).
Auf Grund dieser Definition beinhaltet die Gesamtschwangerschaftsquote jegliche Schwangerschaften, die nach mehreren hintereinander durchgeführten Embryotransferen besteht – egal ob diese Embryonen aus einem frischen oder gefrorenen Embryozyklus gewonnen wurden. Interessanterweise könnte man meinen, dass umso mehr Behandlungszyklen durchgeführt werden, desto besser die Schwangerschaftschancen sind. Die Entscheidung, ob eine Frau weitere IVF Behandlungen durchführen soll, liegt einzig und allein beim Kinderwunschspezialisten und der Patientin selbst, sie kennen sich am besten mit den medizinischen und nicht-medizinischen Problemen aus.

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Dr. Miguel Ángel Checa, Fertty International, Spanien

Antworten von Dr Checa - Arzt für Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktive Medizin

Die wichtigste Veränderung in den letzten Jahren bei künstlicher Befruchtung, ist die Vitrifikation. Heute haben wir die gleiche Chance auf Schwangerschaft, wenn man ein frisches oder ein gefrorenes Embryo überträgt. Diese Veränderung hat die gesamte Nomenklatur der Schwangerschaftschancen verändert. Noch vor ein paar Jahren haben wir von Schwangerschaftschancen nach dem Transfer von einem Embryo gesprochen. Heute sprechen wir über die Gesamtschwangerschaftschance beim Transfer von allen Embryonen – gefrorenen und frischen.

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Dr Àlex García-Faura, Institut Marquès, Spanien

Antworten von Dr García-Faura - Wissenschaftlicher Direktor

Wenn wir von Erfolgsquoten bei Kinderwunschbehandlungen sprechen, müssen wir genau wissen wovon wir sprechen.
Patienten nutzen die Erfolgsquoten beim Vergleich von Kinderwunschbehandlungen und Kinderwunschkliniken bevor sie eine Entscheidung treffen. Natürlich ist das Ziel einer Kinderwunschbehandlung ein gesundes Baby zu bekommen. Deshalb ist die wichtigste Erfolgsquote ein gesundes Baby mit nach Hause zu nehmen oder die Neugeborenenquote. Aus medizinischer Sicht nutzen wir andere Erfolgsquoten, um die Ergebnisse der Kinderwunschbehandlungen zu vergleichen. Wir haben die Schwangerschaftsquote, was bedeutet der Schwangerschaftstest war positiv. Dann gibt es die lebensfähige Schwangerschaftsquote, was bedeutet, es handelt sich um eine normale Schwangerschaft, die eine Eilleiterschwangerschaft und Fehlgeburt ausschliesst.
Wenn wir also Erfolgsquoten je Behandlung vergleichen, dann müssen wir wissen, ob wir von der Neugeborenenquote, lebensfähigen Schwangerschaft, oder dem positiven Schwangerschaftstest sprechen.
Ausserdem sollten wir wissen, ob wir über die Erfolgsquoten je Transfer oder begonnener Behandlung sprechen. Während der Behandlung kann es aus verschiedenen Gründen passieren, dass man einen Zyklus abbrechen muss, wie z.B. es sind trotz Stimulation keine Eizellen gereift, es gibt keine Eizellen trotz Punktion oder zumindest keine reifen Eizellen.
Manchmal kommt es nicht zur Befruchtung und dann gibt es keine Embryonen. Selbst wenn wir Tag 5 Embryonen haben, muss der Zyklus manchmal abgebrochen werden, da es keine qualitativ guten Blastozysten gibt oder nur abnormale aus Sicht der Chromosome.
Es ist also sehr wichtig, wenn man weiß, ob man über Erfolgsquoten je Transfer spricht – wenn die Patientin qualitativ gute Blastozysten zum Transfer hat – oder Erfolgsquoten beim Beginn jeder Behandlung.
Außerdem sollten wir den Unterschied zwischen Schwangerschaft je Transfer und Gesamtschwangerschaftsquote erklären. Die Schwangerschaftsquote je Transfer ist die Chance auf positiven Schwangerschaftstest nach einem einzelnen Transfer. Die Gesamtschwangerschaftsquote bezieht sich auf das Ergebnis nach dem Transfer der Embryonen, die wir aus der ovariellen Stimulation gewonnen haben. Es könnte sich hier um frische Embryonen handeln und manchmal auch um aufgetaute Embryonen von der gleichen Stimulation. Wenn wir nach dem Transfer eines qualitativ guten Tag 5 Embryonen eine Schwangerschaftsquote von 65% haben und es noch ein gefrorenes Embryo zum Transfer gibt, dann kann es sein, dass sich die Gesamtschwangerschaftsquote auf 85-86% erhöht. Falls es dann noch ein drittes Embryo zum Transfer gibt, dann ist die Schwangerschaftsquote über 90%. Wenn man also Ergebnisse vergleicht, muss man genau wissen, ob wir über Schwangerschaftsquoten je Transfer oder Gesamtquoten für den gesamten Kinderwunschzyklus spricht.

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3on1 IVFanswers - three answers to one question

Three IVF experts answering the same question.

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